Sprichwörter über den Mond

Deutsche Sprichwörter und Redewendungen über den Mond

Aus der Kategorie Mystisches | Geschrieben von: Anna Wessel, 2022

Beliebte Sprichwörter und Redewendungen

Sprichwörter, Redewendungen, geflügelte Worte, Zitate - diese Begriffe werden oftmals fälschlicherweise synonym verwendet. Wir möchten uns im Folgenden vor allem mit den ersten Beiden beschäftigen. Aber was genau ist denn der Unterschied zwischen einer Redewendung und einem Sprichwort? Eine Redewendung ist eine häufig gebrauchte Verbindung von Wörtern oder auch Redensart. Ein Sprichwort definiert sich als oft weit verbreiteter, dem Volksmund entsprungener Satz, der auf einprägsame, pointierte und oft bildliche Weise eine Lebenserfahrung formuliert, welche einen moralisierenden, belehrenden, ab und an auch gesellschaftskritischen Inhalt festhält und tradiert. Eine offizielle Verwendung des Begriffes ist ab dem 18. Jahrhundert belegt und geht auf die mittelhochdeutschen Varianten "altsprochen", "gemeineʒ wort" und "alter gemeiner spruch" zurück.

Wer den Unterschied noch einmal in Kürze und mit passenden Beispielen von einem Sprachwissenschaftler zusammengefasst haben möchte, der höre hier einen Ausschnitt aus dem Wissenspodcast "1000 Antworten" des SWR:

Da wir nun also die Grundlagen klären konnten, möchten wir uns hier natürlich im Detail zunächst einige Redewendungen und im Nachgang auch ein paar Sprichwörter ansehen, die sich mit dem Mond beschäftigen. Vor allem möchten wir klären, was diese bedeuten, woher sie stammen und wie sie verwendet werden.

Redewendungen

In den Mond gucken

Bedeutung: Nichts abbekommen; benachteiligt, nicht berücksichtigt oder beachtet werden; leer ausgehen; das Nachsehen haben

Herkunft/Ergänzung: Umgangssprachlich. Analog zu: In die Röhre gucken. Diese Wendung bezieht sich darauf, dass jemand seine Aufmerksamkeit auf etwas richtet, das keinen Nutzen bringt. Sie ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts schriftlich belegt, wie ein Artikel in der politischen Zeitung "Vorwärts" von 1908 beweist: "... weil ein junger Kollege die Früchte davon erntete und die alteingesessenen Aerzte in den Mond guckten".

Anwendung: "Wenn du dir nicht rechtzeitig Tickets sicherst, wirst du am Ende des Sommers, wenn alles ausverkauft ist, in den Mond gucken."

Jemanden auf den Mond schießen

Bedeutung: Wütend auf jemanden sein und ihn/sie am liebsten loswerden wollen; jemanden entlassen/verlassen; sich von jemandem trennen

Herkunft/Ergänzung: Umgangssprachlich, salopp. Analoge Nutzung zu in die Wüste schicken. Der Mond agiert hier als möglichst weit entferntes Objekt, um zu verdeutlichen, dass man gerne sehr viel Raum zwischen sich und den Angesprochenen/die Angesprochene bringen möchte.

Anwendung: "Ich könnte dich heute wirklich auf den Mond schießen, so wütend machst du mich!"

Auf/Hinter dem Mond leben

Bedeutung: Provinziell, rückständig, unmodern sein; nichts mitbekommen; uninformiert sein

Herkunft/Ergänzung: Ähnlich wie bei dem vorherigen auf den Mond schießen gilt hier der Mond als entlegener, unwirtlicher Ort, auf dem es für den Menschen nichts Lebenswertes gibt.

Anwendung: "Die Leute hier haben nicht einmal Internet, die leben völlig hinter dem Mond."

Den Mond anbellen

Bedeutung: Etwas tun, das keine Wirkung hat; vergebliche Mühen aufbringen; auf jemanden einreden/schimpfen, der keine Notiz davon nimmt; sich nutzlos ereifern

Herkunft/Ergänzung: Umgangssprachlich, selten. Seit dem 16. Jahrhundert belegt. Bezieht sich auf das Jaulen des Wachhundes, der in hellen Vollmondnächten nicht zur Ruhe kommt und stattdessen den Mond anbellt bzw. anheult.

Anwendung: "Das, was ich sage, kommt gar nicht bei dir an. Ich fühle mich, als würde ich den Mond anbellen."

Nach dem Mond greifen

Bedeutung: Etwas Unmögliches wollen; sich etwas Unmögliches vornehmen; sich etwas trauen

Herkunft/Ergänzung: Der Mond ist hier Sinnbild für etwas weit Entferntes, Unerreichbares, nach dem man sich sehnt und nach dem man zu streben versucht, auch wenn die Entfernung eine Annäherung schier unmöglich macht. Siehe auch der 1917 erschienene gleichnamige Film (Originaltitel: Reach for the Moon), in dem die Hauptfigur Alexis Caesar Napoleon Brown glaubt, wenn man sich nur lange genug auf eine Sache konzentriere und alles dafür tue, werde sie wahr.

Anwendung: "Ich werde nach dem Mond greifen und versuchen, einmal Präsident der USA zu werden, auch wenn ich deutscher Staatsbürger bin."

Nach dem Mond gehen

Bedeutung: In Bezug auf Uhren; ungenau/falsch gehen; falsch eingestellt sein

Herkunft/Ergänzung: Umgangssprachlich. Verweis auf den Mond als Zeitanzeiger. Hier: Verweis auf das langsamere Vergehen der Zeit auf dem Mond (Mondzeit vs. Erdzeit).

Anwendung: "12 Uhr? Ich glaube, deine Uhr geht nach dem Mond, es ist bereits halb eins!"

Bei jemandem geht der Mond auf

Bedeutung: Jemand bekommt (nach und nach) eine Glatze

Herkunft/Ergänzung: Umgangssprachlich, scherzhaft. Verweis auf die visuelle Ähnlichkeit voranschreitenden kreisrunden Haarausfalls mit dem in jedem Monat Phase für Phase voller werdenden Mond.

Anwendung: "Peter hat die Frisur von seinem Vater geerbt. Bei ihm geht langsam der Mond auf."

Sichwörter

Was kümmert's den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen?

Bedeutung: Mitteilung von Ignoranz/Gleichgültigkeit. So wie es den weit entfernten Mond nicht tangiert, wenn ihn die Hunde auf der Erde anbellen, so möchte der Sprecher/die Sprecherin hier mitteilen, dass ihn/sie das Gesagte oder Getane der anderen Person(en) nicht im Geringsten interessiert.

Herkunft: Deutsch. Analog zu Waskümmert es die (deutsche) Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt?

Der den Mond gemacht hat, weiß wohl, wie alt er ist.

Bedeutung: Unbekannt.

Herkunft: Deutsch. Belegt in den großen deutschen Sprichwörtersammlungen von Friedrich Heinrich Wilhelm Körthe (1837) und Karl Simrock (1846).

Aus Tagen werden Wochen, aus Monden Jahre.

Bedeutung: Die Zeit vergeht unaufhörlich.

Herkunft: Deutsch. Darstellung von Zeiteinheiten in aufsteigender Reihung: Tage > Wochen > Monate > Jahre.  Der Mond steht hier für den Monat. Beide Worte gehen auf die selbe indogermanische Verbalwurzel "mē(d)-" (= wandern, abstecken, messen) zurück, welche wiederum auf  das indogermanische Wort "*mēnōt-" verweist, das sowohl Mond(wechsel) als auch Monat bedeutet.

Dem Mond kann man kein Kleid anmessen.

Bedeutung: Jemandem, der ständig seine Meinung oder seine Art ändert, kann man es nicht Recht machen.

Herkunft: Deutsch. Siehe alte Märchenerzählung, in welcher der Mond seine Mutter bittet, ihm ein wärmendes Kleid zu nähen, diese jedoch nicht weiß, wie sie es ihrem Sohn recht machen kann, da er sich ja ständig von Vollmond zu Neumond wandle. Früheste Erwähnung bei Plutarch als sprichwörtliche Redensart. Ab 1812 bei Jacob und Wilhelm Grimm belegt.

Der Mann im Monde hat das Holz gestohlen.

Bedeutung: Wenn man unrecht lebt und Gottes Gebot nicht einhält, vor allem den heiligen Sonntag, wird man bestraft.

Herkunft: Deutsch. Siehe alemannisches Mundartgedicht "Der Mann im Mond" (1803) von Johann Peter Hebel: Hierin erzählt eine Mutter ihrem Sohn die Geschichte vom Mann im Mond, namentlich Dieter, der dort hinauf verbannt worden sei, weil er sein Leben lang ein Nichtsnutz war, der weder arbeitete noch betete, trank und sogar schon einmal im Gefängnis sitzen musste. Als er auf dem Heimweg vom Reisigsammeln war, hörte er eine laute Stimme, die ihm mitteilte, ihn nun mit auf einen "anderen Weg" zu nehmen. Seither muss er ein Leben in Einsamkeit und Arbeit auf dem Mond fristen; siehe auch "Die Geschichte vom Mann im Mond" im "Deutschen Märchenbuch" (1847) von Ludwig Bechstein: Hier wird ohne Rahmenhandlung und große Vorgeschichte das Märchen vom Mann erzählt, der an einem Sonntag in den Wald geht, um Holz und Reisig zu sammeln. Nach getaner Arbeit schnürt er sich alles zu einem großen Bündel zusammen und macht sich auf den Weg nach Hause. Unterwegs begegnet ihm Gott als Mensch getarnt. Er mahnt den Mann, dass man den Sonntag als Ruhetag ehren müsse. Doch der entgegnet, dass es doch egal sei, ob er seine Arbeit nun Sonntag oder "Mondtag" mache. Da bestraft ihn Gott damit, auf ewig einen "Mondtag" zu leben und sendet ihn kurzerhand auf den Mond, wo er nun als Mahnmal für diejenigen zu sehen ist, die den Sonntag nicht heiligen.

Des Glücks Gewalt hat Monds Gestalt.

Bedeutung: Das Glück ist so wandelbar wie der Mond.

Herkunft: Deutsch. Siehe mittelalterliche Liedersammlung "Carmina Burana", welche 1803 in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuern gefunden und 1935/36 von Carl Orff vertont wurde. Hier lautet es: O Fortuna velut luna statu variabilis, semper crescis aut decrescis;(...), übersetzt aus dem Lateinischen: Glück(sgöttin), wie der Mond dort oben, so veränderlich bist du, wächst du immer oder schwindest! –(...).

Wem alle Sterne gram sind, den wird der Mond nicht liebhaben.

Bedeutung: Unbekannt.

Herkunft: Deutsch. Belegt in den großen deutschen Sprichwörtersammlungen von Friedrich Heinrich Wilhelm Körthe (1837) und Karl Simrock (1846).

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