Mondentstehung

Die Entstehung des Monds oder: Wie die Erde zu ihrem Mond kam

Aus der Kategorie Geschichte | Geschrieben von: Andy Langzettel, 2022

In der Frühzeit der Entstehung des Sonnensystems und der Erde vor ca. 4.5 Milliarden Jahren, kam es zu einem Ereignis, welches die junge Erde nachhaltig verändern sollte.

Ein ca. 6.800 km marsgroßes Objekt (Theia genannt) kollidierte mit einer Geschwindigkeit von rund 14.400 km/h mit der Erde. Bei dieser gewaltigen Kollision wurde das Objekt komplett zerstört und riss die Erde beinahe mit in den Abgrund. Das restliche Material der Kollision wurde in das All hinausgeschleudert und verstreute sich rund um die Erdumlaufbahn.

Nach und nach sammelte die Erde das Material wieder ein und bildete langsam ihre Kartoffelform, wie wir sie heute kennen. Der restliche Teil des Materials bildete nahe der Erde einen neuen Himmelskörper: Der Mond war geboren! Und seitdem zieht er in einem mittleren Abstand von ca. 384.400 km seine Bahn um die Erde.

Dies ist die Kollisionstheorie welche im Jahr 1975 von William K. Hartmann und Donald R. Davis entwickelt wurde. Sie gilt derzeit als die plausibelste Entstehungstheorie des Mondes.

Weitere Entstehungstheorien sind die Viele-Monde-Theorie, die Öpik-Theorie, die Einfangtheorie, die Abspaltungstheorie und die Schwesterplanet-Theorie.

Die Viele-Monde-Theorie aus dem Jahr 1962 wurde von Thomas Gold entwickelt und besagt, dass die Erde während ihrer Entstehung und der darauffolgenden Jahrmillionen, durch ihre Anziehungskraft, immer wieder kleinere Objekte eingefangen hat und diese auf erdnahen Umlaufbahnen gehalten hat. Während dieser Zeit kollidierten die Objekte miteinander und bildeten nach und nach den Mond. Diese Theorie wurde allerdings durch die Apollo Missionen und Analysen des Mondgesteins widerlegt.

Im Jahr 1955 wurde von Ernst Öpik die nach ihm benannte Öpik-Theorie vorgestellt. Sie geht davon aus, dass sich in der frühzeitlichen Entwicklung des Sonnensystems und der Erde, ein Ring aus vielen kleinen Gesteinen um die Erde bildete. Später heizte sich die Erde aufgrund von Kollisionen auf ca. zweitausend Grad Celsius auf, wodurch ein Großteil des Erd-Materials in das All geschleudert worden sein soll. Durch den natürlichen Sonnenwind wurden leichtere Teilchen von der Erde weggeblasen und die schwereren Teilchen blieben in der Nähe der Erde, sodass sich hierdurch der Mond gebildet haben soll.

Aus dem Jahr 1909 stammt die von Thomas Jefferson-Jackson-See entwickelte Einfangtheorie. In dieser Theorie wird angenommen, dass sich der Mond unabhängig von der Erde irgendwo im Sonnensystem gebildet hat und durch gravitative Effekte in Richtung Erde „geschoben“ wurde. Als er der Erde immer näherkam, wurde er durch die Anziehungskraft der Erde eingefangen und auf seiner endgültigen Umlaufbahn um die Erde gehalten. Diese Theorie erfordert jedoch das Zusammenspiel der richtigen Geschwindigkeit, Richtung und Massen von Erde und Mond, was die Sache sehr unwahrscheinlich scheinen lässt.

Die Abspaltungstheorie stammt von George Howard Darwin (dem Sohn von Charles Darwin) aus dem Jahr 1878 und nimmt an, dass sich die Erde bevor der Mond entstanden ist mit einer Dauer von nur 2,5 Stunden um die eigene Achse drehte (2,5 Stunden von Sonnenaufgang bis zum nächsten Sonnenaufgang). Dies soll zur Folge gehabt haben, dass sich eine größere Landmasse von der Erde löste und sich im Laufe der Zeit zum Mond formte. Durch die dann entstandenen gravitativen Reibungseffekte (Gezeiteneffekte LINK zu den Gezeiten) verlangsamte sich die Rotationperiode der Erde von 2,5 Stunden auf die heutigen ca. 24 Stunden (genauer: 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden)

Die Schwesterplanet-Theorie wurde im Jahr 1755 vom deutschen Philosoph Immanuel Kant erdacht und beschreibt, wie sich Erde und Mond ziemlich zeitgleich aus der Ursuppe des kosmischen Materials zur Zeit der Entstehung der Planeten bildeten.

Wie auch immer der Mond entstanden sein mag, die Begeisterung der Menschen hat seit Jahrtausenden Bestand und ein Blick zum Mond lohnt sich in jedem Fall.